Griechische Inseln abseits der Hauptrouten
22. Mai 2026
„Geheimtipps" werden im Internet seit zwanzig Jahren in Hochglanzbeiträgen verbrannt — die echten Geheimnisse sind die Inseln nicht, aber sie haben deutlich weniger Pauschaltouristen als Santorini oder Mykonos, das stimmt schon. Wer den größeren Flugzeit-Aufwand und teilweise Fähr-Umwege in Kauf nimmt, bekommt ruhigere Buchten, niedrigere Preise und einen anderen Tonfall. Eine Übersicht zu den großen, gut erschlossenen Pauschalinseln findest du im Beitrag zu den schönsten griechischen Inseln.
Hier fünf, die wirklich anders sind als die Klassiker — kein vollständiges Ranking, sondern eine Auswahl mit unterschiedlichen Schwerpunkten.
Alonissos (Nördliche Sporaden)
Alonissos ist klein — 20 Kilometer lang, 4,5 Kilometer breit, knapp 3.000 Einwohner. Was sie besonders macht, ist der Nationale Meerespark, der die Insel und ihre Nachbar-Eilande seit 1992 schützt. Hier leben die wenigen verbliebenen Mönchsrobben (Monachus monachus) im östlichen Mittelmeer, eine der am stärksten bedrohten Robbenarten weltweit.
Die alte Hauptstadt Chora liegt auf 250 m Höhe und ist nach einem schweren Erdbeben in den 1960ern teilweise wieder aufgebaut worden — heute beliebt für Tagesausflüge wegen der Aussicht. Wirtschaftliches Zentrum ist seit dem Beben der Hafen Patitiri unten an der Küste. Viele der Strände sind nur per Boot oder per Wanderweg erreichbar.
Für wen? Wer wandert, schnorchelt, ruhige Buchten sucht, mit dem Mainstream-Trubel auf Skiathos (Nachbarinsel) nichts anfangen kann.
Nisyros (Dodekanes)
Nisyros ist eine der wenigen griechischen Inseln mit einem aktiven Vulkan. Letzter Ausbruch: 1886. Der Krater Stefanos liegt in einer ovalen Caldera von 3.500 × 1.500 Metern Größe und ist begehbar — Schwefelfelder, dampfende Spalten, Schlammkrater. Wer vorher noch nie auf einem Vulkan stand, findet das eindrücklich; die beste Aussicht hat man von den Dörfern Emborio und Nikia auf dem Kraterrand.
Die Insel ist klein (rund 41 km²) und hat etwa 1.200 Einwohner — Hauptort ist Mandraki mit einem Johanniterkastell aus dem 14. Jahrhundert. Anreise meist über Kos per Tagestour oder mehrtägig per Fähre.
Für wen? Geologie-Interessierte, Tagesausflug ab Kos, oder eine ruhige Woche zwischen Kos und Rhodos.
Skyros (Nördliche Sporaden)
Skyros ist die abgelegenste der nördlichen Sporaden — 204 km², per Fähre über Kymi auf Euböa erreichbar, kein direkter Flug aus Deutschland. Die Insel kommt in den Mythen rund um Achilles vor (er soll hier von Thetis versteckt worden sein) und war später Piratenversteck.
Die echte Besonderheit sind die Skyros-Ponys — eine der seltensten europäischen Pferderassen, nur etwa 110 cm Schulterhöhe, bedroht. Es gibt vor Ort ein paar Initiativen zum Erhalt. Wer die Insel besucht, findet auch die Grabstelle des englischen Dichters Rupert Brooke, der 1915 auf dem Weg zum Gallipoli-Feldzug auf einem Schiff bei Skyros starb und in einem Olivenhain bestattet wurde.
Die Akropolis und das Georgios-Kloster sind nach Erdbebenschäden teilweise nicht zugänglich. Das Militär unterhält auf Skyros einen Stützpunkt — Teile der Insel sind Sperrgebiet.
Für wen? Reisende, die das Abseitige suchen, mit Sinn für Volkskunst und Tradition.
Ikaria (Ostägäische Inseln)
Ikaria ist eine der sogenannten Blue Zones — Regionen, in denen Menschen statistisch deutlich älter werden als der globale Durchschnitt. Die Forschung führt das auf Kombination zurück: viel Bewegung in steilem Gelände, mediterrane Ernährung, starke soziale Bindungen, wenig Stress. Ob man das glaubt oder nicht, der entspannte Lebensstil ist auf der Insel spürbar — im Bergdorf Christos Rachon öffnen die Läden am späten Nachmittag und schließen tief in der Nacht.
Geografisch teilt eine Bergkette die Insel in einen fruchtbaren Norden und einen kargeren Süden. Die Thermalquellen in Therma sind etwa 50 Grad heiß und enthalten Schwefel, Radium und Radon — eine eher seltene Kombination. Bademöglichkeiten zwischen Armenistis und Gialiskari, sowie in der Bucht Nas.
Anreise per Fähre aus Athen-Piräus oder per Flug von Athen, Samos oder Thessaloniki. Hauptort ist Agios Kirykos, zweiter Hafen Evdilos.
Für wen? Wer wirklich abschalten will, Bergdörfer und Thermalquellen statt Pool und Animation sucht.
Lefkada (Ionische Inseln)
Lefkada ist eine Sonderform — die einzige bewohnte griechische Insel, die per Brücke mit dem Festland verbunden ist. Das macht sie technisch eine Insel, praktisch ein Halbinsel-Ziel, ohne dass eine Fähre einkalkuliert werden muss. Die Insel ist 293 km² groß, höchster Berg ist der Stavrotas mit 1.158 m.
Strandseitig ist die Westküste interessant: Porto Katsiki und Egremni zählen zu den fotogensten Stränden Griechenlands, mit hellem Sand und steilen Klippen dahinter. Die Bucht von Vasiliki im Süden ist eines der besten Windsurfreviere Europas — wer den Sport ernsthaft betreibt, kennt Lefkada.
Für wen? Mietwagen-Reisende, die ohne Fähre auf eine ionische Insel wollen; Windsurfer; alle, die landschaftlich grünere Inseln bevorzugen (Lefkada ist ionisch, also deutlich vegetationsreicher als die Ägäis).
Wann lohnt sich der Aufwand?
Mehr Aufwand bedeutet in der Regel eine Fähr-Etappe oder einen Anschlussflug zusätzlich zum Direktflug aus Deutschland. Die Anreise wird also teurer und länger; vor Ort sind die Preise dafür meist niedriger als auf den großen Pauschalinseln. Was du sonst noch bekommst:
- weniger andere Touristen
- mehr ursprüngliche Tavernen, weniger Ketten
- günstigere Preise vor Ort
- kürzere Wege, sobald du angekommen bist
Wer mehrere dieser Inseln in einer Reise verbinden möchte, plant Fähren in den Routenplan — Hinweise dazu im Beitrag zu den Fähren in Griechenland. Eine andere Annäherung an die Inselwelt liefern die Beiträge zu den ostägäischen Inseln und den nordägäischen Inseln.