Die nordägäischen Inseln: Limnos, Samothraki, Thassos

22. Mai 2026

Ziegen am Wasser auf Samothraki

Die nordägäischen Inseln liegen am nördlichen Rand der Ägäis, in geografischer Nähe zur Türkei und zu Bulgarien. Sie werden auch als „thrakische Inseln" bezeichnet, weil sie verwaltungstechnisch zu Nordägäis oder zu Ostmakedonien und Thrakien gehören. Zu den wichtigsten zählen Limnos, Samothraki und Thassos, dazu das kleine Agios Efstratios.

Touristisch sind die Inseln weniger erschlossen als die Klassiker im Süden — keine Direktflüge aus Deutschland, Anreise meist per Fähre ab Kavala, Alexandroupolis oder Thessaloniki. Wer die ruhigeren Inseln Griechenlands sucht und die An- und Abreise nicht scheut, findet hier deutlich weniger Hotelfluss und mehr Bergwege.

Limnos

Mit 476 km² die größte der nordägäischen Inseln. In der Mythologie ist Limnos der Ort, an dem Hephaistos seine Schmiede betrieb — der hinkende Schmiedegott der Olympier. Archäologisch belegt ist die Siedlung Poliochni an der Ostküste, eine der ältesten Stadtsiedlungen Europas — bewohnt seit der späten Jungsteinzeit, über 5.000 Jahre alt, älter als Troja auf der gegenüberliegenden türkischen Seite.

Sehenswert ist außerdem die Festung bei Myrina (Hauptstadt), die im 13. Jahrhundert nach dem vierten Kreuzzug ausgebaut wurde, sowie die salzigen Lagunen im Osten — Brutgebiet für Zugvögel.

Die Insel hat einen Flughafen (Myrina), der von Athen und Thessaloniki angeflogen wird, dazu Fährverbindungen nach Kavala und Lavrio.

Agios Efstratios

Etwa 30 km südwestlich von Limnos, mit 42 km² deutlich kleiner und mit nur wenigen hundert Einwohnern. Tourismus spielt praktisch keine Rolle, die Insel lebt von Landwirtschaft — Wein, Olivenöl, Getreide. Wer einmal griechisches Inselleben ohne Tourismus-Infrastruktur sehen will, fährt hierher: eine Pension, eine Taverne, lange Pausen zwischen den Fähren.

Samothraki

Samothraki ist Griechenlands gebirgigste Insel im Verhältnis zur Größe: 178 km² Fläche, höchster Berg der Fengari mit 1.611 m. An der Südostküste fallen Felswände stellenweise bis zu 800 m steil ins Meer ab. Laut Homer beobachtete Poseidon von hier aus die Schlacht um Troja — der Berg ist tatsächlich an klaren Tagen vom kleinasiatischen Festland aus zu sehen.

Botanisch ist die Insel ungewöhnlich:

Kulturhistorisch bekannt durch den Mysterienkult der Kabiren — eine vorgriechische Religion, deren Riten bis in römische Zeit gefeiert wurden. Reste des Heiligtums (Hieron, Anaktoron, ein dorischer Marmor-Tempel und ein hellenistischer Rundbau) sind ausgegraben. Weltberühmt ist die hier gefundene Nike von Samothrake — das Original aus dem 2. Jh. v. Chr. steht heute im Louvre, eine Kopie im Pergamonmuseum in Berlin.

Rund 3.000 Einwohner, Hauptort ist Samothraki, dazu Therma (Thermalquellen am Fuß des Fengari) und der Hafen Kamariotissa. Anreise per Fähre ab Alexandroupolis (etwa 2,5 Stunden) — keine direkten Flüge.

Thassos

390 km², rund 16.000 Einwohner, höchster Berg der Ipsarion mit 1.204 m. Thassos ist deutlich grüner als die meisten Ägäisinseln — dichte Pinienwälder, Olivenhaine, Bergquellen. Das macht sie auch zu einem beliebten Ziel für Radreisen (siehe Aktivurlaub in Griechenland).

Historisch war Thassos schon um 700 v. Chr. für ihren Goldreichtum bekannt — phönizische und später ionisch-griechische Siedler bauten die Vorkommen ab. Im Laufe der Jahrhunderte wechselten die Herrscher mehrfach: Römer, Byzantiner, Osmanen, im 19. Jh. der Vizekönig von Ägypten (durch Schenkung an Mehmet Ali), erst 1914 endgültig an Griechenland.

Auch heute ist die Insel Rohstoffinsel — neben Tourismus spielen Marmor-, Zink- und Bleiabbau eine Rolle. Sehenswert sind das Kloster Archangelou, das Heimatmuseum in Theologos und die antiken Ausgrabungen rund um Limenas (Thassos-Stadt). Kulinarisch lohnen sich der Inselhonig und das Olivenöl, die in vielen Verkostungen ausgezeichnet wurden.

Erreichbar über die Flughäfen Thessaloniki und Kavala mit anschließender Fähre — die Überfahrt ab Keramoti dauert keine 40 Minuten.

Wann lohnt die Region?

Für Ruhe, längere Wanderwege, intakte Naturschutzgebiete und Sehenswürdigkeiten ohne Drehkreuze. Wer nach Strand + Pauschalhotel + viel Infrastruktur sucht, ist hier falsch — dann besser die schönsten griechischen Pauschalinseln anschauen. Wer von hier aus weiterreisen möchte, findet im Beitrag zu den Fähren in Griechenland Hinweise zu den Verbindungen.

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