Sehenswürdigkeiten in Griechenland

22. Mai 2026

Tempel auf Athos

Griechenland ist auf eine Weise antikenreich, die andere europäische Länder nicht erreichen — Tempel, Theater und Heiligtümer stehen oft mitten in der Landschaft, manchmal sind ganze Dörfer auf antiken Fundamenten gebaut. Die folgende Liste ist keine Top-10-Aufzählung, sondern eine Auswahl: ein paar absolute Klassiker (Akropolis, Delphi, Olympia), dazu Orte, die weniger im Reiseführer-Mainstream sind (Mistras, die Vikos-Schlucht, Athos). Wer mehr zum Hintergrund der Götter und Mythen wissen will, findet das im Beitrag zu Antike und Mythologie.

Akropolis (Athen)

Der Klassiker. Die heutige Anlage auf dem 156 m hohen Felsen über Athen geht überwiegend auf das 5. Jh. v. Chr. zurück — die Vorgängerbauten wurden in den Perserkriegen zerstört, was Perikles nutzte, um ein städtebauliches Großprojekt zu starten. Architekten waren Iktinos, Kallikrates und Mnesikles, künstlerische Leitung hatte Phidias.

Die Hauptbauten:

Seit 1986 UNESCO-Weltkulturerbe. Öffnungszeiten typisch April–Oktober 8 bis 19 Uhr, November–März 8.30 bis 17 Uhr. Tipp: früh morgens kommen (8 Uhr), nicht zur Mittagshitze, und nicht denken, dass die Akropolis allein Athen ist — die umliegende Agora, das Theater des Dionysos und das Akropolis-Museum gehören dazu.

Der Begriff „Akropolis" bezeichnet allgemein die Festung am höchsten Punkt einer Stadt — fast jede griechische Polis hatte eine. Die in Athen ist nur die berühmteste.

Delphi

Für die Antike war Delphi der Mittelpunkt der Welt — der „Nabel der Welt" (Omphalos) wurde dort verehrt. Die Ausgrabungsstätte liegt am Hang des Parnass in Mittelgriechenland. Berühmt ist das Orakel des Apollon, das von der Priesterin Pythia geleitet wurde. Sie saß auf einem Dreifuß über einer Erdspalte (vermutlich gasausstoßend), und sprach Weissagungen aus, die meist mehrdeutig formuliert waren — Krösus von Lydien soll an einer solchen Weissagung sein Reich verspielt haben.

Hauptbauwerke:

Im Archäologischen Museum vor Ort steht der bronzene Wagenlenker von Delphi (um 470 v. Chr.) und der Omphalos-Stein. UNESCO-Weltkulturerbe. Anreise meist als Tagesausflug ab Athen (etwa drei Stunden).

Olympia

Austragungsort der antiken Olympischen Spiele, ab 776 v. Chr. dokumentiert, ursprünglich ein reines Laufturnier. Olympia ist gleichzeitig ein Zeus-Heiligtum — der heilige Hain Altis umfasst die religiöse Anlage, das Stadion lag etwas außerhalb. Schätzungen sprechen von bis zu 69 Tempeln und Altären auf dem Gelände, von denen heute nur noch wenige sichtbar sind.

Die wichtigsten erhaltenen Bauwerke:

Heute lohnt sich Olympia auch wegen des modernen Archäologischen Museums mit dem Hermes des Praxiteles. Wer in der Region Peloponnes Urlaub macht, sollte Olympia einplanen.

Meteora

Im Pindos-Gebirge bei Kalambaka stehen aus 60 Millionen Jahre alten Konglomerat-Felsen 600 Meter hohe Türme aus dem Boden — auf manchen sitzen Klöster. Die Geschichte der Klöster begann im 10. Jahrhundert mit Einsiedeleien, das erste organisierte Kloster (Doupiani) entstand im 11. Jahrhundert, später kam Metamorfosis (Kloster der Verklärung), gegründet vom heilig gesprochenen Athanasios. Auf seinem Höhepunkt zählten zur Klosterlandschaft bis zu 24 Klöster.

Heute sind noch sechs Klöster bewohnt und für Besucher zugänglich:

Bis weit ins 20. Jahrhundert waren viele Klöster nur über Seilwinden und Strickleitern erreichbar — heute führen Wege und Treppen hinauf. UNESCO-Weltkulturerbe seit 1988. Kleiderordnung wird durchgesetzt — lange Hosen für Männer, lange Röcke für Frauen (vor Ort werden Wickelröcke bereitgestellt, wenn nötig).

Athos

Die Mönchsrepublik auf dem östlichsten der drei „Finger" der Chalkidiki-Halbinsel ist eine Sonderform: ein autonomer Staat im Staat, mit eigenem Pass-System und einem Zugangsverbot für Frauen — das gilt seit über 1.000 Jahren und auch für weibliche Haustiere. Männer brauchen für den Besuch eine Genehmigung („Diamonitirion"), die im Voraus beantragt werden muss, und können nur für eine begrenzte Zeit bleiben.

Die ersten Mönchsgemeinschaften gründeten sich ab 963 — gestiftet durch byzantinische Mönche, später kamen rumänische, russische und serbische Gemeinschaften dazu. Heute leben etwa 2.000 Mönche in 20 Klöstern, dazu in kleineren Siedlungen (Skiten), in einzelnen Häusern (Kalivia) oder in Eremitagen in den Felshängen. Athos ist berühmt für seine Ikonenmalerei, die hier seit dem Mittelalter ununterbrochen gepflegt wird.

Wer nicht hin darf (also alle Frauen und männliche Touristen ohne Voranmeldung): Bootsausflüge entlang der Küste sind möglich und bieten Blicke auf die Klöster, die direkt an den steilen Hängen über dem Meer kleben. Athos ist UNESCO-Weltkulturerbe.

Mistras

Bei Sparta auf dem Peloponnes liegt eine spätbyzantinische Stadt, die im 13. Jahrhundert gegründet wurde und auf ihrem Höhepunkt bis zu 40.000 Einwohner zählte. Heute überwiegend Ruinen, aber die wichtigsten Bauwerke sind erstaunlich vollständig erhalten; das Pantanassa-Kloster wird sogar noch von Nonnen bewohnt. Vor allem die Wandmalereien gehören zu den bedeutendsten Beispielen byzantinischer Kunst.

Sehenswert sind das Pantanassa-Kloster (noch von Nonnen bewohnt), das Peribleptos-Kloster mit hervorragend erhaltenen Fresken, die Kirche Agia Sophia mit dem alten Palast der byzantinischen Statthalter, sowie die kleine Kapelle Agios Georgios. Plan: mindestens vier Stunden, festes Schuhwerk, Wasser — zwischen oberem und unterem Eingang liegen rund 300 Höhenmeter. Wer mag, fährt mit dem Taxi zum oberen Eingang und arbeitet sich nach unten.

Mistras ist UNESCO-Weltkulturerbe und kommt sogar in Goethes Faust II vor.

Mani

Die Mani-Halbinsel ist der mittlere Finger des Peloponnes — rau, schwer zugänglich, vom Taygetos-Gebirge dominiert (über 2.400 m). Aufgeteilt traditionell in Innere Mani (Tiefe Mani, im Süden) und Äußere Mani. Anreise meist über Kalamata oder Gythio.

Was Mani prägt, ist eine eigenständige Geschichte: Die Bewohner galten als unbezähmbar, hier hat die Türkenherrschaft nie wirklich gegriffen. Statt großer Dörfer entstanden befestigte Sippentürme — vielstöckige Wohntürme, in denen Familien gegen Nachbarn (und gegen Piraten) Schutz suchten. Viele sind verfallen, einige restauriert und heute Boutique-Hotels.

Weitere Highlights: zahllose kleine byzantinische Kirchen und Kapellen, oft in Olivenhainen versteckt, und die Tropfsteinhöhle von Pirgos Dirou — befahrbar mit Kähnen auf einem unterirdischen Fluss, der stellenweise 300 m tief ist.

Vikos-Schlucht

Im Pindos-Gebirge in Epirus, etwa 10 km lang und bis zu 1.000 m tief. Im Verhältnis von Tiefe zur Breite gilt sie als die tiefste Schlucht der Welt und steht im Guinness-Buch. Die spektakulärsten Aussichten bieten die natürlichen „Balkone" bei den Dörfern Monodendri und Vradeto.

Eine Durchwanderung von Monodendri durch die Schlucht bis ins Dorf Vikos ist möglich, der Weg ist ausgeschildert. Veranschlagt werden rund sieben Stunden — anstrengend, aber landschaftlich eindrucksvoll. Empfindliche Knöchel hat hier nichts zu suchen, das Gelände ist felsig. Wer es nur ansehen will, ohne Volldurchgang, bekommt vom Aussichtspunkt Oxia bei Monodendri den besten Blick.

Im Tal fließt der Voidomatis, einer der saubersten Flüsse Europas.

Kanal von Korinth

Die Idee, den Saronischen Golf mit dem Korinthischen Golf zu verbinden, ist seit der Antike alt — schon Periander, später Julius Caesar und Kaiser Nero haben sich damit beschäftigt. Nero ließ tatsächlich 67 n. Chr. anfangen, der Bau wurde nach seinem Tod aber abgebrochen. Erst zwischen 1881 und 1893 wurde das Projekt verwirklicht.

Die Kennzahlen:

Damit ersparen sich Schiffe die rund 400 km lange Umrundung des Peloponnes. Heute fahren überwiegend kleinere Schiffe und Ausflugsboote durch — moderne Frachter sind zu breit. Wer den Kanal ansehen will, hat von den Brücken oberhalb einen guten Blick. Eine Bootspassage durch den engen Schlitz ist möglich und wird als Tagesausflug angeboten.

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