Städte und Regionen in Griechenland

22. Mai 2026

Parthenon Tempel in Athen

Griechenland hat zwar nur etwa 10,5 Millionen Einwohner, verteilt sich aber auf mehr als 200 bewohnte Inseln und ein bergiges Festland — entsprechend zerstreut sind die größeren Städte, und entsprechend unterschiedlich sind sie. Athen und Thessaloniki bilden die beiden Pole im Norden und Süden des Festlands; dazwischen liegen Hafenstädte, Universitätsstädte und Landwirtschaftszentren mit eigener Identität.

Antike Stätten gibt es fast überall, oft direkt unter modernen Bauten. Aber Griechenland ist nicht nur antikes Erbe — die folgenden Städte zeigen das. Wer die archäologischen Highlights sucht, findet eine eigene Übersicht im Beitrag zu Sehenswürdigkeiten in Griechenland.

Athen

Die Hauptstadt ist seit etwa 5.000 Jahren ununterbrochen besiedelt und hat alle Höhen und Tiefen mitgemacht — kulturelles Zentrum der Antike, Provinzort im Osmanischen Reich, schließlich Hauptstadt eines unabhängigen griechischen Staats ab 1832. Athen liegt im Becken zwischen drei Bergen (Hymettos, Pentelikon, Parnitha) und dem Saronischen Golf, was die Stadt im Sommer zu einer Hitze- und Smogfalle macht.

Die touristischen Pflichtstationen kennt jeder: Akropolis, antike Agora, Dionysos-Theater, Hadriansbibliothek, Tempel des Olympischen Zeus, Panathinaiko-Stadion (Austragungsort der ersten neuzeitlichen Olympiade 1896). Dazu kommen die ausgezeichneten Museen — das Neue Akropolis-Museum, das Nationale Archäologische Museum, das Benaki-Museum.

Wer aus dem Trubel raus will, fährt mit der Standseilbahn auf den Lykavittos (277 m) — der Stadtberg gibt einen Rundumblick über das gesamte Becken bis zum Meer. Athen-Stadt hat etwa 730.000 Einwohner; die Metropolregion über drei Millionen. Anflug über Eleftherios Venizelos, einer der gut angebundenen europäischen Flughäfen.

Thessaloniki

Die zweitgrößte Stadt Griechenlands (etwa 350.000 Einwohner) liegt im Norden, am Thermaischen Golf, und ist die wichtigste Stadt der Region Mazedonien. Verkehrstechnisch ist sie ein Hub: internationaler Flughafen, Container- und Fährhafen, Bahnhof, Autobahnanschlüsse Richtung Türkei, Bulgarien und Westgriechenland.

Gegründet wurde Thessaloniki 315 v. Chr. von Kassandros (König von Makedonien) — benannt nach seiner Frau, einer Halbschwester Alexanders des Großen. Die Stadt wird im Neuen Testament mehrmals erwähnt (Paulus' Briefe an die Thessalonicher). Heute prägen byzantinische und frühchristliche Kirchen das Bild — UNESCO-Welterbe:

Wahrzeichen ist der Lefkos Pyrgos (Weißer Turm) am Hafen — Rest einer alten Stadtmauer, heute Museum. 1997 war Thessaloniki Kulturhauptstadt Europas. Wer in den Norden oder zur Chalkidiki will, kommt um die Stadt meist nicht herum.

Piräus

Größte Hafenstadt des Landes, direkt südwestlich von Athen, durch die Metro (Linie 1) angebunden — die meisten Reisenden zur Ägäis steigen hier um. Piräus hat drei Naturhäfen: den Haupthafen Kantharos (Fähren und Großschiffe), Zea (Yachten) und Mikrolimano (Fischerboote, kleinere Schiffe).

Der frühere Name Porto Leone geht auf einen steinernen Löwen am Hafeneingang zurück — die Statue selbst wurde 1687 von den Venezianern nach Venedig verschleppt und steht heute noch vor dem Arsenal. Mit rund 175.000 Einwohnern ist Piräus eine eigenständige Stadt, kein Stadtteil Athens, auch wenn die Bebauung mittlerweile ineinander übergeht.

Sehenswert sind das Archäologische Museum (mit dem bronzenen Piräus-Apollon), das Schifffahrts-Museum, das alte Theater von Zea und die Promenade um Mikrolimano. Wer Zeit zwischen Fährankunft und -abfahrt überbrücken muss, kann sich hier durchaus zwei, drei Stunden gut beschäftigen.

Ab Piräus erreicht man auch die Saronischen Inseln (Aegina, Hydra, Spetses) für Tagesausflüge — angenehm, weil schnell und ohne weite Anreise. Mehr zum Fährwesen im Beitrag zu den Fähren in Griechenland.

Patras

Mit rund 163.000 Einwohnern die viertgrößte Stadt Griechenlands, liegt am westlichen Ende des Korinthischen Golfs auf dem Peloponnes. Patras ist vor allem als Fähr-Hub bekannt: die meisten Autofähren aus Italien (Venedig, Ancona, Bari) legen hier an, das macht die Stadt für viele Festland-Anreisende zum ersten griechischen Boden.

Zwei Wochen im Jahr ist Patras allerdings nicht nur Fährhafen, sondern Volksfest: der Karneval von Patras ist einer der größten in Südeuropa, läuft von Mitte Januar bis kurz vor der Fastenzeit, mit Umzügen, Schatzsuchen und einer Großparade am Sonntag vor Aschermittwoch. Wer den Karneval mag und im Winter nicht weiß wohin: hier ist eine Option.

2006 war Patras Kulturhauptstadt Europas; die Universität gehört zu den großen des Landes. Sehenswert sind das römische Aquädukt, Reste eines Amphitheaters und die Rio-Andirrio-Brücke westlich der Stadt — die 2.252 m lange Schrägseilbrücke verbindet den Peloponnes mit dem zentralgriechischen Festland und gehört zu den längsten ihrer Bauart weltweit.

Heraklion

Hauptstadt Kretas, an der Nordküste, mit rund 137.000 Einwohnern größte Stadt der Insel. Der internationale Flughafen ist nach dem Schriftsteller Nikos Kazantzakis benannt (Autor von „Alexis Sorbas") — eine der wenigen Stadt-Flughafen-Benennungen, die nicht nach Politikern oder Heiligen gehen.

Heraklion ist das Sprungbrett zur minoischen Palastanlage von Knossos (etwa 5 km außerhalb) — eine der ältesten Hochkultur-Stätten Europas, um 1900 n. Chr. von Arthur Evans ausgegraben und teils umstritten rekonstruiert. Im Archäologischen Museum Heraklion sind die wichtigsten Knossos-Funde ausgestellt — wer die Palastanlage besucht, sollte beides kombinieren.

Die Altstadt liegt hinter venezianischen Stadtmauern, der Hafen ist von einer venezianischen Festung („Koules") flankiert. Sehenswerte Kirchen: Hagios Titos, Hagios Minas. Fährverbindungen verbinden Heraklion mit Piräus, Thessaloniki, Patras, Rhodos und international mit Venedig und Ancona.

Larissa

Hauptstadt der Region Thessalien, etwa 126.000 Einwohner, im Landesinneren — auch wenn die Strände am Thermaischen Golf nur 30 bis 40 km entfernt sind. Larissa ist eine alte Siedlung (erste Spuren um 4.000 v. Chr.) und war in der Antike für Pferdezucht bekannt. Heute ist sie vor allem ein Agrarzentrum: die fruchtbare Thessalische Ebene liefert Baumwolle, Obst, Gemüse, Tabak.

Touristisch ist Larissa eher ein Stopp als ein Ziel — aber wer in der Region unterwegs ist (Meteora im Westen, Olymp im Norden, Sporaden vor der Küste), hat hier einen guten Standort. Der Stadtburgberg Frourio bietet Reste antiker Bauten, römisch-byzantinische Mauerstücke und die Kirche der Panagia mit einer als heilkräftig geltenden Quelle im Keller.

Klimatisch: Larissa ist eine der heißesten Städte Griechenlands im Sommer (über 40 Grad keine Seltenheit), die Winter sind milder als das Bergland, gelegentlich aber zweistellig minus.

Rhodos-Stadt

Hauptstadt der Insel Rhodos, etwa 60.000 Einwohner, an der Nordspitze. Die Altstadt von Rhodos ist seit 1988 UNESCO-Welterbe — umgeben von einer rund 4 km langen Festungsmauer aus der Zeit der Johanniterritter, die die Insel im 14./15. Jahrhundert beherrschten.

Hauptbauwerke der Altstadt:

Vom Hafen sieht man bei klarem Wetter die türkische Küste — Marmaris liegt etwa 20 km entfernt. Tagesausflüge in die Türkei waren über lange Zeit eine touristische Standardoption, sind politisch je nach Lage aber nicht immer reibungslos.

Kavala

Hafenstadt in Ostmakedonien, rund 70.000 Einwohner, eine der größten Städte im Norden Griechenlands. Die heutige Stadt entstand im Wesentlichen durch den Bevölkerungsaustausch nach 1923 — griechische Flüchtlinge aus Kleinasien siedelten sich hier an und brachten den Tabakanbau und -handel mit, der die Stadt prägte.

Antik gegründet als Neapolis, in byzantinischer Zeit Christoupolis, in osmanischer Zeit Kavalla — der heutige Name geht auf das italienische cavallo (Pferd) zurück; eine Poststation mit Pferdewechsel war hier in venezianischer Zeit wichtig. Sehenswert sind das alte Türkenviertel mit steilen Gassen, das Aquädukt aus dem 16. Jahrhundert (Suleiman-Aquädukt), die Marienkirche aus dem 15. Jh., das Geburtshaus von Mehmet Ali Pascha (Gründer der letzten ägyptischen Dynastie), und das Kastell.

Seit 1998 Partnerstadt von Nürnberg. Wichtiger Hub für die Fähren zu den nordägäischen Inseln (Thassos in 40 Min., Limnos, Samothraki).

Kallithea

Kallithea ist räumlich gesehen ein Teil der Athener Metropolregion — die eigene Gemeinde mit etwa 110.000 Einwohnern grenzt direkt an Athen, im Süden an die Phaleron-Bucht. Trotzdem hat sie eigenständigen Charakter, nicht zuletzt durch die Universitäten Harokopio und Panteion.

Bei den Sommerspielen 2004 wurde hier unter anderem die Beachvolleyball-Anlage gebaut. Die Stadt ist über Metro, Straßenbahn und Bus an Athen angebunden. Sehenswert sind das Laskaridou-Gebäude mit Stadtgalerie, die Kirche Aghia Eleousa und das Denkmal für die Schwarzmeer-Griechen, die hier nach der Vertreibung 1923 eine bedeutende Gemeinschaft bildeten.

Katerini

Hauptstadt der Präfektur Pieria am Fuß des Olymp, in Zentralmakedonien südlich von Thessaloniki. Eher Wirtschaftszentrum als Touristenstadt — Markt für die Landwirtschaft, samstags lebendiger Fischmarkt. Die nähere Umgebung lohnt sich aber: Strände bei Paralia und Korinos liegen nur etwa 5 km entfernt, der Olymp ist von hier per Bus oder Auto schnell erreicht.

Historisch interessant in der Region: die venezianische Festung Platamon an der Küste, das antike Schlachtfeld von Pydna (168 v. Chr., letzte Niederlage der Makedonen gegen die Römer unter Aemilius Paullus). Anreise über die Autobahn A1 oder per Intercity-Zug aus Thessaloniki oder Athen.

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