Surfen auf Karpathos
22. Mai 2026
Karpathos ist nach Rhodos die zweitgrößte Insel des Dodekanes und liegt ziemlich weit weg von allem — südlich zwischen Kreta und Rhodos, ohne direkten Anschluss an die größeren Tourismusströme. Das ist auch der Grund, warum die Insel bis heute deutlich weniger erschlossen wirkt als andere griechische Ziele. Elektrischen Strom flächendeckend gibt es erst seit den 1980ern, viele Bergdörfer haben sich Tracht und Bräuche länger erhalten als anderswo, das Bergdorf Olymbos im Norden gilt als eines der ursprünglichsten griechischen Dörfer überhaupt.
Für die Surf-Community spielt das eine Nebenrolle — der Hauptgrund nach Karpathos zu fliegen, ist der Wind. Der Meltemi, ein trockener Nordwind, weht in der Ägäis ab Juli verlässlich, und Karpathos liegt an einer Stelle, an der er besonders konstant ankommt. Die Windstatistiken der Insel gehören zu den besten in Europa.
Die Spots
Die Hauptreviere liegen alle im Süden, in der Bucht von Afiartis zwischen Flughafen und Pigadia, der Inselhauptstadt:
- Chicken Bay — flaches, ablandiges Revier, ideal für Anfänger und Lerngruppen
- Devils Bay — eine Ecke weiter, deutlich windiger, mit Welle, fortgeschritten bis Profi
- Gun Bay — dazwischen, gut für Kitesurfer mit Mittelwind
Im Norden gibt es weitere Spots, die aber unregelmäßig genutzt werden — die Anreise dorthin ist mühselig, weil die Inselstraßen rudimentär sind.
Wann ist die beste Saison?
Surf-Saison läuft etwa von Mai bis September. Der Wind wird ab Mitte Juni stabil, peakt im Juli/August (manchmal so stark, dass Anfänger gar nicht aufs Wasser kommen) und flacht im September wieder ab. Frühjahr und Herbst sind eine Wette: oft genug stabil zum Surfen, aber nicht garantiert. Wer einen festen Surf-Plan hat, kommt im Juli oder August — wer flexibel ist, im Juni oder September.
Eine genauere Einordnung zu Saison und Wetter steht im Beitrag zur besten Reisezeit und zum Wetter in Griechenland.
Anreise
Karpathos hat einen kleinen Flughafen (AOK) im Süden, der von Athen aus regelmäßig angeflogen wird und in der Hauptsaison auch von einzelnen Charterflügen direkt aus Deutschland. Großen Luxus erwartet einen am Flughafen nicht — der Bau ist pragmatisch, das Aussteigen erfolgt meist über die Treppe direkt auf das Vorfeld.
Per Fähre ist die Insel über Piräus, Rhodos oder Kreta erreichbar. Die Überfahrt aus Piräus dauert über 20 Stunden, ist also keine spontane Option (mehr dazu im Beitrag zu den Fähren in Griechenland). Vor Ort lohnt sich ein Mietwagen — Bus gibt es, aber sehr beschränkt.
Was die Insel ausmacht (außer Wind)
Karpathos lebt anders als Kos oder Rhodos. In Pigadia gibt es zwar Tavernen, Hotels und das übliche Hafen-Programm, aber große Pauschalanlagen findet man nicht. Diskussionen über einen geplanten Golfplatz nahe Pigadia ziehen sich seit Jahren — die Inselbewohner sind mehrheitlich dagegen, weil sie befürchten, dass damit die Mainstream-Erschließung einsetzen würde.
Das Bergdorf Olymbos im Norden ist eine eigene Welt: Frauen tragen in der älteren Generation noch täglich Tracht, die lokale Sprache hat Eigenheiten, die im restlichen Griechenland verloren gegangen sind. Wer aus dem Wasser einen Tag freihat, sollte die Strecke zwischen Pigadia und Olymbos fahren — mindestens vier Stunden hin und zurück, aber landschaftlich eindrucksvoll.
Linktipps:
* Surf- und Kite-Spots auf Tripadvisor
* Windsurfen auf Karpathos im Detail